Befundfenster zur historischen Dokumentation

Statische Maßnahmen im Dachstuhl

Sanierung

Nordgiebelseite vor...

...und nach der Sanierung

Neueindeckung der Westseite

Die Sanierung

Bevor der Verein „Zukunft für das Heimatspielhaus e.V.“ das Gebäude im Jahr 2008 als Einzeldenkmal erwarb, stand es über zwei Jahrzehnte leer und verfiel zusehends.

„Durch die zahlreichen Umbaumaßnahmen der vergangenen Jahrhunderte stimmte die Statik des Gebäudes nicht mehr, tragende Wände hatten sich bis zu 25 cm gesenkt, einzelne Deckenbalken waren gebrochen.  ...  Doch gerade die vielen Spuren von Um- und Anbauten machen das Denkmal so wertvoll. Im ersten Bauabschnitt ging es neben der Instandsetzung der Fassade vor allem um die statische Sicherung vom Fundament bis zum Dach. Die Bruchsteinwand im Erdgeschoss an der Nordgiebelseite kippte bereits nach außen und musste mit Kleinbohrpfählen neu gegründet werden. Auch ergänzende Tragwerke und ein Treppenhausanbau erhielten so ein Fundament. Mit einem Stahlunterzug und Stahlstützen im EG wurden Lasten aus den oberen Stockwerken abgefangen. Diese Stahlteile bleiben bewusst als Ergänzungen sichtbar. Für die Stuckdecken im OG musste eine neue Aufhängung konstruiert werden, dafür wurde die vorhandene Holzkonstruktion mit Stahlknotenblechen und Stahlzugstangen kombiniert. Der nach außen überstehende Fachwerkgiebel der Südfassade konnte nur durch den Einbau einer tragenden Innenschale stabilisiert werden. Der Dachstuhl stammt teilweise aus dem Jahre 1470 und ist daher von hohem Wert, ...“  (DSD)

In Abstimmung mit dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde auf eine behutsame Reparatur der vorhandenen Substanz größter Wert gelegt: Dazu gehörten die Wiederherstellung der Schmuckfassade von 1927 nach noch vorhandenen kolorierten Skizzen, die Wiederverwendung der historischen Dachziegel auf der östlichen Dachseite, die Restaurierung von wertvollen historischen Fenstern zu Kastenfenstern, die Reparatur der Eingangstüre, der Wiedereinbau der original Fußbodendielen soweit möglich, die Restaurierung und Ergänzung der Stuckleisten und die Aufarbeitung des Treppenaufgangs mit Geländer.

Beim Einbau von Leitungen für Heizung, Strom, Wasser usw. nahm man besondere Rücksicht auf den Erhalt der historischen Bausubstanz. Die energetische Sanierung wurde so durchgeführt, dass sich der Charakter der Räume nicht veränderte. Bei der Innenrenovierung der Wände legte der Restaurator sogenannte Befundfenster frei, um den ursprünglichen Zustand zu dokumentieren.

An dem Torbogen der Hofeinfahrt fand man bei der Renovierung die Jahreszahl 1572, was die dendrochronologische Untersuchung bestätigt.

Tipp: Viele historische Fotos vom Heimatspielhaus, Bilder von der Sanierung sowie dem fertigen Gebäude finden Sie in unserer
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Ermöglicht wurde die Sanierung – neben den Eigenleistungen des Vereins – durch eine umfassende Unterstützung aus Mitteln der Städtebauförderung (Stadt Münnerstadt und Regierung von Unterfranken), des Entschädigungsfonds des Freistaates Bayern, der Bayerischen Landesstiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie durch viele Spenden von Einzelpersonen und anderen Vereinen.

Als Anerkennung für die gelungene Sanierung und das außergewöhnliche Engagement erhielt der Verein Zukunft für das Heimatspielhaus e.V. im Jahr 2014 den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung. http://www.denkmalpreis.de/2014/index.html

Quellen: Stadtarchiv Münnerstadt, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Architekturbüro Knoll & Konopatzki